„Brasilienwoche“ – ein Fest für die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit

Und das Beste kommt zum Schluss – könnte man sagen, zum Ende des Deutsch-Brasilianischen Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation (DBWTI): die „Brasilien-Woche“ an der Universität Münster. Sie brachte vom 26. bis 30. April 2011 ein Stück Brasilien nach Münster und frischen Wind in die deutsch-brasilianischen Wissenschaftsbeziehungen.
Dass die Brasilienwoche ausgerechnet in Münster stattfand, hat einen guten Grund: Seit zwei Jahrzehnten pflegt die Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) enge Kontakte mit brasilianischen Universitäten und gilt mit über 20 Projekten als die brasilienaktivste Universität Deutschlands. Im Jahr 2010 hat sie das Brasilienzentrum gegründet, eine Dependance in Sao Paulo ist derzeit im Aufbau.

Doch damit nicht genug: Im Rahmen des Deutsch-Brasilianischen Wissenschaftsjahres richtete sie in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) die Brasilienwoche aus, um die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit zu feiern und noch weiter auszubauen: ein Forschungsnetzwerk zu „vernachlässigten“ Krankheiten wurde gegründet, verdiente Wissenschaftler gewürdigt, beim Forschungstag die deutsch-brasilianischen Wissenschaftsbeziehungen vorgestellt und jede Menge praxisnahe Informationen rund um Studieren, Forschen und Leben in Brasilien geboten. All das wurde begleitet von Sprach- und Sambakursen, Capoeira-Tanz, Trommelfeuer und Bossa Nova.

Forschungsstart für „vernachlässigte“ Krankheiten

Zum Auftakt der Brasilienwoche veranstaltete das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der WWU am 26. April den Workshop „Brasilian-German Research Initiative on Natural Products against Neglected Diseases“. Weltweit leidet etwa eine Milliarde Menschen unter mindestens einer von 13 lebensbedrohlichen Erkrankungen, die derzeit von der WHO als vernachlässigte Krankheiten („Neglected Diseases“) eingestuft werden. Dazu gehören unter anderem durch protozoale Parasiten hervorgerufene Infektionen wie die Chagas-Krankheit, die Leishmaniasis und die Afrikanische Schlafkrankheit. Rund 30 internationale Wissenschaftler, vorwiegend aus Deutschland und Brasilien, stellten ihre neuesten Erkenntnisse zur Heilung dieser Krankheiten vor und gründeten das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk „Research Network Natural Products against Neglected Deseases“, um Therapien mit neuen Naturstoffen zu entwickeln. Ein bedeutender Schritt, um aus vernachlässigten Krankheiten heilbare zu machen! (Mehr dazu hier.)

WWU feiert deutsch-brasilianische Kooperationen

Höhepunkt des WWU-Festakts im Schloss der Universität am 28. April war die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der WWU an Dr. Gilberto Câmara, Generaldirektor des Nationalen Instituts für Weltraumforschung in Brasilien, für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Geoinformatik, der Klimaforschung und des Erhalts des tropischen Regenwaldes. Zwei weitere Ehrungen gingen an Prof. Dr. Abílio Baeta Neves und an Prof. Dr. Sandoval Carneiro Junior, (Details siehe Pressemitteilung der WWU).

Der folgende Tag, der WWU-Forschungstag am 29. April, befasste sich noch intensiver mit der Bedeutung Brasiliens als Forschungspartner. Vormittags stellten Vertreter des BMBF deutsch-brasilianische Wissenschaftskooperationen sowie ausgewählte Projekte des gemeinsamen Wissenschaftsjahres vor, letztere wurden anschließend in einzelnen Sitzungen von den beteiligten Universitäten selbst en Detail erläutert. (Programm siehe hier.) Kein Wunder, dass bei der Fülle an Informationen auch die Podiumsdiskussion zum aktuellen Forschungsstand der Brasilienstudien bis auf den letzten Platz gefüllt war.

"Go out – Entdecke Brasilien!"

Ab 13 Uhr standen eineinhalb Tage lang Studierende und Absolventen im Mittelpunkt: Unter dem Motto "Go out – Entdecke Brasilien!", informierte der DAAD in Kooperation mit dem BMBF und der WWU über die vielfältigen Studien- und Forschungsangebote in Brasilien und deren Förderungsmöglichkeiten. Und das ganz konkret: 14 Informations- und Arbeitsforen drehten sich um Themen wie Biodiversität, Luft- und Raumfahrttechnik, Stadtentwicklung, Tropenmedizin oder Übersetzungswissenschaften (siehe Programm). Rund ein Dutzend brasilianische Universitäten waren mit Infoständen direkt vor Ort, ebenso wie Stipendiaten des DAAD, die von ihren Erfahrungen in Brasilien berichteten. Doch es geht weiter: Die Brasilienwoche war zugleich Auftakt einer Roadshow brasilianischer Universitäten an deutschen Hochschulen.

Informationen über weitere Veranstaltungen des gemeinsamen Wissenschaftsjahres finden Sie im Veranstaltungskalender des DBWTI.

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Bernd Hellingrath

Wissenschaftlicher Leiter des Brasilienzentrums der WWU

E-Mail: hellingrath@ercis.uni-muenster.de