Deutsch-Brasilianisches Jahr der Wissenschaft,Technologie und Innovation 2010/11: Gebündelte Kompetenz für die Herausforderungen von morgen

Ein Jahr lang hat das „Deutsch-Brasilianische Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/11“ die Kräfte beider Forschungsstandorte gebündelt und enorme Energien freigesetzt – für eine nachhaltige Entwicklung.
„nachhaltig:innovativ“ – unter diesem Motto brachen Deutschland und Brasilien im April 2010 in das gemeinsame Wissenschaftsjahr auf. Dass sie dabei gleich den richtigen Kurs einschlugen, zeigte sich bei der Auftaktveranstaltung im April 2010 in São Paulo: Dort erklärten die Forschungsminister beider Länder das Ziel – die Wissenschaftsbeziehungen zu vertiefen, insbesondere den Austausch zwischen Wissenschaftlern und Studenten zu fördern und die Spitzenforschung voranzutreiben – als konzertierte Aktion von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Denn: Nur mit gebündelten Kräften auf nationaler wie auf internationaler Ebene können existenzielle Zukunftsfragen erforscht und beantwortet werden. Entsprechend richtete sich der Fokus des Jahres auf Themen wie Umwelttechnologien, Medizintechnik, Energie und Energieeffizienz, Biotechnologie und Nanotechnologie sowie Geistes- und  Sozialwissenschaften.

Vereinte Forschungskompetenz

Seit 1969 arbeiten Deutschland und Brasilien auch in der Wissenschaft eng zusammen – heute ist Brasilien einer von Deutschlands wichtigsten Partnern in Lateinamerika. Derzeit bestehen über 240 Hochschulkooperationen, studieren über 2000 Brasilianer an deutschen Universitäten. Ein weiterer Vorzug der Wissens-Partnerschaft: Beide Länder sind in ihren Regionen in Wissenschaft und Innovationen führend, Deutschland in Europa, Brasilien in Lateinamerika. „Brasilien hat enorme Rohstoffvorkommen und damit vielfältige Möglichkeiten für erneuerbare Energien. Deutschland hat innovative Spitzentechnologien und ist insbesondere bei den grünen Technologien Innovationstreiber. Bringen wir beides zusammen! Dann können Projekte entstehen, von denen beide Partner gleichermaßen profitieren“, betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan.

Highlights des Wissenschaftsjahres

Gesagt, getan: Dem feierlichen Auftakt des Wissenschaftsjahres am 12. April 2010 folgten rund 100 Veranstaltungen in Deutschland und Brasilien, darunter 60 bilaterale Best-Practice-Projekte, die insgesamt mit über einer Million Euro vom BMBF im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert wurden. Sie alle hatten das gleiche Ziel: den deutsch-brasilianischen Wissenschaftsbeziehungen zukunftsweisende Impulse zu geben. Wichtige Perspektiven wurden bei der Deutsch-Brasilianischen Kommissionssitzung zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) diskutiert, die Ende Mai 2010 im Rahmen der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage in München stattfand: Hier wurden auf Regierungsebene nicht nur die zukünftigen Forschungsbereiche ausgelotet, sondern darüber hinaus ein bilateraler Forschungsfond geplant, der anteilig von BMBF und dem brasilianischen Forschungsministerium getragen und zur Forschungsförderung bereitgestellt werden soll.

Wissenschafts-Exzellenz stellt sich vor

Dann ging es Schlag auf Schlag, ein Delegationsbesuch folgte auf den anderen: Zu einer Roadshow der deutschen Hochschulmesse „Study & Research in Germany“ stellten sich im September 2010 deutsche Universitäten und Forschungsorganisationen in ganz Brasilien vor. In Deutschland waren zu dieser Zeit auf Einladung der Fraunhofer-Gesellschaft brasilianische Energieexperten beim „Tag der Energie“ in Berlin zu Gast. Passend zur BIOTECHNICA 2010 reiste im Oktober 2010 eine weitere brasilianische Delegation an – zum Follow-up des Innovationsforums Biotechnologie im Vorjahr. Ebenfalls im Oktober 2010 zog es Vertreter deutscher Hochschulen und forschungsintensiver Unternehmen nach Brasilien, auf einem Gemeinschaftsstand des BMBF auf der Messe MERCOPAR in Caxias do Sul stellten sie innovative deutsche Produkte vor. Auch das Thema Agrarforschung durfte nicht fehlen – so drehte sich der Deutschland-Besuch einer Delegation von EMBRAPA (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária), der größten Agrarforschungsorganisationen weltweit, um Kooperationsmöglichkeiten und den geplanten Aufbau einer EMBRAPA-Forschungsvertretung in Deutschland. Und noch ein herausragendes Beispiel: Unter dem Motto „Deutschland – Ihr Partner in Forschung und Entwicklung“ brachen im November 2010 13 deutsche Forschungseinrichtungen zur Roadshow durch vier brasilianische Städte auf und präsentierten ihr Know-how aus den Bereichen Biotechnologie, Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung sowie Produktionstechnologien. Die Ausstellung „Auge des Himmels“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und seinen Partnern, die seit Oktober 2010 mit 30 einzigartigen Satellitenaufnahmen der Erde in ganz Brasilien gastiert, zieht ebenfalls alle Blicke auf sich.

Zukunftsweisende Kooperationen

All diese Veranstaltungen informierten über den jeweiligen Stand der Forschung und boten Gelegenheit zur gezielten Kontaktaufnahme, auch vor Ort im jeweiligen Land. Zudem fanden im Wissenschaftsjahr Fachworkshops statt, die sich Themen wie Bionik, Geoinformatik, Produktionstechnologien oder der Protonen-und Ionenforschung widmeten. Auch das Thema Gesundheit nahm viel Raum ein, etwa bei einer Seminarreihe der deutschen und brasilianischen Wissenschaftsakademien (November 2010), der Expertendelegation der Fraunhofer-Gesellschaft zum „Jahr der Gesundheit“ (Februar 2011) oder dem Workshop zu protozoalen Infektionskrankheiten und deren Behandlung mit Naturstoffen (April 2011). Sie alle haben im wahrsten Sinne Vorbildcharakter, stoßen in Fachkreisen wegweisende Forschungsprojekte an. Auch nach der Abschlussveranstaltung des Wissenschaftsjahres am 4. April 2011 auf der Hannover Messe wird die Zusammenarbeit intensiv fortgeführt. So z.B. organisiert der Deutsche Akademische Austauschdienst vom 29. bis 30. April 2011 einen „Brasilientag“ an der Universität Münster und vom 2. bis 6. Mai 2011 eine Roadshow brasilianischer Universitäten in Deutschland. Zudem untersucht Fraunhofer in zwei vom BMBF geförderten Machbarkeitsstudien die Zukunft der Zusammenarbeit mit Brasilien zu den Themen „Seltene Erden“ und „Prothesentechnik“.

Positive Resonanz

Wie groß das Interesse an Kooperationen war und ist, zeigen jedoch nicht nur die Veranstaltungen des Wissenschaftsjahres an sich, sondern auch die Besucherzahlen des ständig aktualisierten, zweisprachigen Internetportals des Deutsch-Brasilianischen Wissenschaftsjahres (www.dbwti.de). Mit Informationen rund um das Wissenschaftsjahr – seinen Zielen, Hintergründen, Veranstaltungsterminen und Berichten, Interviews und Filmen – wurde es bisher rund 1,6 Millionen Mal aufgerufen! Für eine weitreichende Resonanz sorgten auch das BMBF mit Pressemitteilungen, eine Sonderbeilage des weltweit publizierten .de-Magazins mit einer Auflage von 350.000 Exemplaren sowie zahlreiche weitere Presseberichte in Deutschland und Brasilien. Ganz gleich, wo und wie das gemeinsame Wissenschaftsjahr in die Öffentlichkeit trat, es hat die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit bestärkt – nachhaltig:innovativ“!