Brasilienexkursion: Tropische Biodiversität hautnah erleben

Ab 15. Februar 2011 erkunden 22 Studierende aus Baden-Württemberg, speziell aus Tübingen, einen Monat lang die tropische Biodiversität Brasiliens, streifen bei Tag und Nacht etwa durch den Atlantischen Regenwald, die Savannenregion Cerrado, das Feuchtgebiet Pantanal und den südamazonischen Regenwald – ein Traum für Forscher und die, die es werden wollen!

Blick auf den südamazonischen Regenwald am Rio Cristalino
Es ist nicht das erste Mal, dass Dr. Rainer Radtke vom Baden-Württembergischen Brasilien-Zentrum der Universität Tübingen Studierende aus den Bereichen Biologie, Geoökologie, Geologie, aber auch der Geografie oder Medizin in die Geheimnisse der Biodiversität Brasiliens einweiht (siehe Blog). Seit 1989 leitete er 15 Brasilien-Exkursionen – auch bei dieser ist es „ein Ziel des Unterfangens, dass Studierende der Naturwissenschaften wieder lernen, sich im Freiland zu orientieren und zu beobachten, und zwar so, dass sie sich biologische oder geologische Fragen stellen“, betont Exkursionsleiter Radtke.
 

Mehr als ein Abenteuer

Und davon gibt es reichlich – schließlich befasst sich die Exkursion mit den so genannten biologischen Hotspots, Regionen mit besonders hohem und entsprechend schützenswertem Artenreichtum. Die erste Etappe führt in die Region um Rio de Janeiro zum Atlantischen Regenwald (Mata Atlântica), der sich über rund 4.000 Quadratkilometer zwischen Rio Grande do Sul und Rio Grande do Norte erstreckt. Dort, zwischen Meer und Gebirge, im Übergang der für die Küste typischen Restinga-Vegetation zum Atlantischen Regenwald, machen sich die Studierenden auf die (erfolgreiche) Suche nach dem extrem seltenen Goldenen Löwenäffchen. Danach geht es weiter gen Westen in den Cerrado, in die Savannenregion Zentral-Brasiliens. Das rund zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet ist nach dem Amazonasregenwald die zweitgrößte Vegetationseinheit Brasiliens, auch sie ist stark bedroht. Die nächste Station liegt im größten Feuchtgebiet der Welt, im Pantanal an der Grenze zwischen Bolivien und Paraguay. Zu guter Letzt steht der Rio Cristalino auf dem Plan, am Südausläufer des Amazonasregenwaldes. Hier ist die Biodiversität unglaublich groß: So finden sich auf einigen Hundert Hektar mehr als doppelt so viele Vogelarten als in ganz Europa.

Biodiversität in Theorie und Praxis

All diese Etappen vermitteln ein klares Bild, was tropische Biodiversität bedeutet und wie sie tatsächlich im Freilandland aussieht. „Schön ist, wenn Studenten den Bogen zwischen Theorie und Praxis spannen, im Lauf der Exkursion zum Beispiel selbständig erkennen, dass die Artenzahl – wie in Lehrbüchern beschrieben – in den Tropen zwar hoch, die Individuenzahl der einzelnen Arten jedoch gering ist. Und sie tatsächlich sehen, welches Ausmaß Waldvernichtung hat oder wie Schutzmaßnahmen dafür gesorgt haben, dass beispielsweise vom Aussterben bedrohte Hyazinth-Aras oder Goldene Löwenäffchen wieder häufiger vorkommen. Alles unverzichtbare Erfahrungen im Freiland, die im derzeitigen Bachelor- oder Masterstudium definitiv zu kurz kommen!“, sagt Radtke. Und wer weiß, was den Exkursionsteilnehmern diesmal begegnet, vielleicht der langersehnte Jaguar, ein Ozelot oder erneut die Harpyie?

Der Exkursion in die Tropenökologie schließt sich ein dreiwöchiges Geoökologisches Geländepraktikum im südbrasilianischen Araukarienwald an. Beide Lehrveranstaltungen laufen über das Baden-Württembergische Brasilien-Zentrum und die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät und richten sich sowohl an Studierende aus Baden-Württemberg als auch an brasilianische Studierende der 9 Tübinger Partneruniversitäten in Brasilien. Dass diese Lehrveranstaltungen weitere Kreise ziehen, zeigen zum einen das wachsende Interesse der Studenten an einem Auslandssemester in Brasilien, zum anderen zahlreiche Medienberichte.

KONTAKT

Eberhard Karls Universität Tübingen
Baden-Württembergisches Braslien-Zentrum
Wilhelmsstraße 113
72074 Tübingen

Dr. Rainer Radtke:
 rainer.radtke@uni-tuebingen.de
http://www.uni-tuebingen.de/