Europäisch-brasilianische Zusammenarbeit bei der Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen

Der Markt für nachhaltige, aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellte Verpackungen verzeichnet derzeit hohe Wachstumsraten. Bis zum Jahr 2014 wird nachhaltigen Verpackungen eine Steigerung von 50 % prognostiziert. Im Vergleich zu 2009 würde sich der Marktanteil auf 32 % erhöhen. Dabei stellt insbesondere die Lebensmittelindustrie hohe Anforderungen an Verpackungssysteme.

Die Delegation aus dem Fraunhofer IVV am ITAL in Campinas, São Paulo (Quelle: Fraunhofer-IVV)
Um Lebensmittel optimal zu schützen, muss die Verpackung hohe Barriereeigenschaften gegenüber Wasserdampf und Sauerstoff aufweisen und mechanisch stabil sein. Gleichzeitig fordert der Verbraucher transparente Folien. Diese hohen Anforderungen können derzeit von Systemen auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen nur bedingt erfüllt werden. Daher kommen bisher hauptsächlich Folienverbunde aus fossilen Rohstoffen zum Einsatz. Die dabei verwendeten Polymerschichten sind nach Ihrem Einsatz kaum voneinander zu trennen, wodurch die Rezyklierbarkeit stark eingeschränkt ist.


Im Rahmen einer Zusammenarbeit von europäischen und brasilianischen Forschungseinrichtungen sollen nun im Rahmen des „Deutsch-Brasilianischen Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011“ verschiedene Verpackungslösungen für die Lebensmittelindustrie, aber auch für technische Anwendungen entwickelt werden. Daran beteiligt sind das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV aus Deutschland, das ITENE Instituto Tecnológico del Embalaje, Transporte y Logistica aus Spanien und ITERG Institut des Corps Gras aus Frankreich. Aus Brasilien sind es die Einrichtungen Senai CIMATEC - eine Forschungseinrichtung aus dem Bereich Polymerforschung und ITAL - Institut für Lebensmitteltechnologie. In die Zusammenarbeit werden sowohl Industriepartner aus Europa wie auch aus Brasilien involviert, um eine schnelle Umsetzung der Entwicklungen zu erreichen. Für die Verpackungslösungen sollen ausschließlich nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen, die weder in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion noch zur Erhaltung von Primärwäldern stehen. Die ausgewählten Rohstoffe werden bisher in Brasilien noch nicht großtechnisch genutzt und stellen ein großes Potential an biogenen Ressourcen dar. Durch die Nutzbarmachung dieser Ressourcen wird nicht nur ein neuer Absatzweg für die brasilianische Wirtschaft erschlossen, sondern außerdem der Verpackungsindustrie ermöglicht, auf ein Material mit hoher Verfügbarkeit zurückzugreifen. Bisher stellt die Verfügbarkeit noch bei vielen biobasierten Materialen eines der größten Probleme für eine großtechnische Nutzung dar.


Eine Delegation aus dem Fraunhofer IVV besuchte vom 13. bis 19 Oktober 2010 das ITAL in Campinas sowie das Senai CIMATEC in Salvador, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Gewinnung und Modifikation pflanzlicher Rohstoffe sowie deren Verarbeitung zu Verpackungssystemen zu besprechen. Auch eine anschließende Charakterisierung der Systeme wurde diskutiert.
Durch diese Reise wurden Ansätze für die weitere Zusammenarbeit zwischen den Forschungsinstituten vertieft. Zurzeit wird ein Antrag zur Förderung eines EU Projektes mit dem Ziel nachhaltiger Verpackungssysteme ausgearbeitet.

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