BMBF präsentiert Innovationen der deutschen Produktionstechnik in Brasilien

Im Rahmen des Deutsch Brasilianischen Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010|2011 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Oktober 2010 deutsche Hochschulen und forschungsintensive Unternehmen eingeladen, ihre Innovations-Highlights an einem Gemeinschaftsstand des BMBF auf der Messe MERCOPAR in CAXIAS DO SUL, Rio Grande do Sul, Brasilien, auszustellen.

Der Staatssekretär für Wissenschaft und Technologie, Herr Macluf (Rio Grande do Sul) besucht den Messestand auf der Mercopar.
(Quelle: Internationales Büro des BMBF, Christiana Tings.)
Ziel dieses Projektes war es, Deutschland als Innovationsstandort zu präsentieren und den bilateralen Forschungs- und Technologietransfer mit Brasilien zu stärken. Neben dem Messeprogramm wurden daher fachspezifische Besuche bei Universitäten und ortsansässigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für die deutschen Teilnehmer organisiert und Termine mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft vereinbart. Auf diese Weise konnten sie sich einen Eindruck von der brasilianischen Forschungs- und Bildungslandschaft verschaffen und Kontakte für den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien knüpfen.
Die Delegation (12 Teilnehmer) bestand aus Vertretern von vier forschungsaktiven Firmen und 7 Hochschulen und Forschungsinstituten.

Die Projektwoche vor Ort

1. Besuche bei Universitäten: Da in der Region um Caxias vorrangig private Universitäten ansässig sind, wurden zum einen die drei privaten Institute Pontificia Universidade Catolica do Riogrande do Sul, PUCRS, die UNISINOS in Sao Leopoldo, die  Lutheranische Universität Brasiliens ULBRA in Porto Alegre sowie die Universität von Caxias do Sul -  UCS, die eine Mischung aus staatlich und privat ist, besucht. Hier konnten die Teilnehmer die Standards, Leistungsniveaus und Dienstleistungen in der brasilianischen Forschungslandschaft kennen lernen und ausloten, ob Kooperationsmöglichkeiten für sie passend und möglich sind.

2. Besuche bei KMU: Im praktischen Teil des Besuchsprogramms wurden die Produktionswerke Randan (Lastkraftwagen-Chassis,11.000 Mirarbeiter) und Agrale (Agrarmaschinen, 1.500 Mitarbeiter) besucht, die größten vor Ort ansässigen Firmen, die der Delegation jeweils eine ausführliche und professionelle Werksführung boten.

3. Messebeteiligung: Für das Projekt wurde ein 100 qm großer Stand angemietet und mit dem Corporat Design des Deutsch-Brasilianischen-Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation (DBWTI) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestaltet. An diesem repräsentativen Gemeinschaftsstand konnte die deutsche Delegation der brasilianischen Fachwelt drei Tage lang ihre Innovations-Highlights präsen-tieren.

Weitere wichtige Programmpunkte:
Der Geschäftführer der  Außenhandelskammer (AHK) Porto Alegre, Herr Valmor Kerber besuchte den Messestand, um alle Aussteller persönlich kennen zu lernen und nahm auch am offiziellen Abendessen teil, das Bundesministerium für Bildung und Forschung der Delegation bot. Bei dieser Gelegenheit erklärte er die regionale Geschichte der vergangenen 100 Jahre mit besonderem Bezug auf den Werdegang der Maschinenbau- und Produktionsindustrie in Rio Grande do Sul.

Besonders interessant war der Besuch des Staatssekretärs für Wissenschaft und Technologie von Rio Grande do Sul, Herr Eduardo Macluf, der sowohl alle Aussteller am Stand besuchte als auch am offiziellen Abendessen teilnahm. Herr Macluf ist sehr interessiert am Ausbau von Wissenschaftskooperationen und Technologietransfer zwischen kleinen und mittleren Unternehmen und Universitäten aus Deutschland und Rio Grande do Sul. Er begrüsst die Beziehungen zu Deutschland, um dieses Vorhaben voranzutreiben.

Sowohl Herr Macluf als auch Herr Kerber wurden zum Abschluss-Event des Deutsch-Brasilianischen-Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation im April 2011 eingeladen und zeigten sich überaus interessiert, daran teilzunehmen.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war die offizielle Einladung zum Business Lunch bei dem so genannten "Sindicato das Indûstrias Metalûrgicas, Mecânicas e de Material Eletico de Caxias do Sul, SIMEC", eine Art Kammer, die die metallverarbeitende Industrie vertritt. Hier wurde uns vor dem Mittagessen das Potenzial für bilaterale Wirtschaftskooperationen in der Region präsentiert. Es wurden uns auch Arbeitsräume angeboten, die künftig für die Anbahnung von Kooperationen genutzt werden können. Während des Mittagessens gab es dann Möglichkeiten, sich mit den Vertretern der Kammer  persönlich auszutauschen. Der Direktor, Herr Odacir Conte, sowie der Präsident der Kammer, Herr Getulio da Silva Fonseca, wurden ebenfalls zum Abschluss-Event des Brasilienjahres eingeladen. Das Interesse teilzunehmen ist auch von dieser Seite sehr groß.

Ergebnisse und Kommentare der Teilnehmer

Die Ergebnisse des Projekts wurden an Hand von Fragebögen ermittelt, die an die Teilnehmer ausgegeben worden waren. Im Folgenden einige Auszüge aus den Kommentaren und Ergebnissen:

Die Teilnehmer erklärten durchweg, dass ihnen das Programm einen sehr guten Überblick über die Forschungsmöglichkeiten in der Fertigungsproduktion vermittelt habe, dass der Stand der Forschung in Südbrasilien jedoch sehr unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland sei. Darin sehen die Teilnehmer einerseits ein großes Potenzial, andererseits seien konkrete Wirtschafts- und Technologiekooperationen jedoch nur bedingt möglich.
Einer der Teilnehmer zitiert dazu : ´Brasilien, ein schlafender Riese`.
Ein weiterer: ´Im Bereich der Firmenkooperationen ist ein Stand erreicht, der Technologietransfer zum wirtschaftlichen Vorteil aller beteiligten Partner zulässt.´

Die Universitäten wurden von den Teilnehmern eher als Lehr-  denn als Forschungsinstitute wahrgenommen (was daran liegen mag, dass es private Universitäten waren). So sei hier in erster Linie der Austausch von Studenten und Doktoranden vorstellbar. ´Durch einen  Aufenthalt brasilianischer Studenten und Doktoranden in Deutschland könnte diesen zunächst die Struktur der deutschen Forschungsarbeit vermittelt werden. Dieser Weg eignet sich am besten, um dann später längerfristige Kooperationen zwischen den Instituten aufzubauen.´

Die Firmenbesuche wurden als sehr positiv bewertet; die Teilnehmer zeigten sich ´beeindruckt darüber, wie gut organisiert und strukturiert´ die Firmen seien. Einige Teilnehmer überlegten spontan, hier künftig einige ihrer Studenten Praktika absolvieren zu lassen.

Mercopar 2010

Die Mercopar-Messe war ausgesprochen gut besucht und bot einen guten Rahmen, den deutschen Teilnehmern einen Überblick über den Stand der technischen Fertigung in Brasilien zu vermitteln. Mehrfach wurde geäußert, dass das Aussteller-Portfolio eher gemischt und noch recht wenig spezialisiert sei;  der Stand der Innovationen und Technologien, die hier präsentiert wurden, lägen derzeit noch hinter den Innovationen der deutschen Aussteller zurück.
Dass die Möglichkeiten, hier tätig zu werden, dennoch sehr vielseitig sind, äußerten viele der deutschen Teilnehmer. So können einige von ihnen auch bereits mit konkreten Projektideen aufwarten:

Die AVA GmbH fand einen potenziellen Partner auf dem Gebiet des Soja-Anlagenbaus und zitiert, dass sich der potenzielle Partner aus Brasilien durch  `hervorragende Fertigungskapazitäten und einen sehr guten Marktzugang´ auszeichne. Ziel der Gespräche mit der brasilianischen Firma TMSA sei ein Transfer der AVA Anlagentechnologie nach Brasilien. Noch während der Projektwoche wurde ein Nachfolgebesuch bei der Firma TMSA in Porto Alegre organisiert, um die auf der Messe begonnenen Gespräche zu vertiefen. Auch dieser Firmenbesuch verlief laut AVA ausgesprochen positiv. Eine weitere Reise nach Brasilien ist in naher Zukunft geplant.

Die Firma Bechem GmbH zitiert wie folgt: ´Die wesentlichen Anbahnungsgespräche fanden auf der Messe statt. Einer unserer Gesprächspartner wird in der kommenden Woche auf der Kunststoff und Kautschuk-Messe in Düsseldorf sein; ein Nachfolgegespräch ist vorbereitet.´

Das Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH, BIBA, hat bei der UCS ähnliche Forschungsgebiete lokalisiert und hält einen Studentenaustausch für vorstellbar. Noch während der Mercopar fand ein Gegenbesuch der Vertreter der UCS auf der Messe statt, um dieses Vorhaben weiter auszuloten. Dieses Gespräch verlief sehr vielversprechend.

Weitere Zitate der deutschen Teilnehmer waren etwa:
´Auf der Mercopar hat sich gezeigt, wie stark sich die metallverarbeitende Industrie in Brasilien entwickelt und zugleich eine große Zahl an Arbeitsplätzen geschaffen hat. Im September war die Arbeitslosigkeit im Süden so niedrig wie nie zuvor ( 6,9 %).´

´Die Mercopar ist eine Messe, die einen hervorragenden Überblick über die Fertigungstechnik in Brasilien bietet. Das Spektrum der Aussteller ist sehr breit, wenn es auch an wirklich innovativen Produkten und Techniken noch mangelt.´

`Für ein mittelständisches Unternehmen wie die AVA GmbH war das Gesamtprogramm einschließlich der Forschungs- und Bildungslandschaft sowie der Messeteilnahme eine hervorragende Basis, den brasilianischen Markt und das Land an sich kennen zu lernen.´