Beschleunigt: FAIR-Workshop in Brasilien

Derzeit beteiligen sich 14 Partnerländer an einem der weltweit größten Forschungsvorhaben für die physikalische Grundlagenforschung – am Beschleunigerzentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research), das am Standort des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entsteht. In welchen Bereichen zukünftig Brasilien und seine exzellenten Physiker mitwirken, dies war vom 16. bis 17. August 2010 Thema des FAIR-Workshops an der Universität Sao Paulo.

Das FAIR-Logo des GSI
Schon in naher Zukunft versprechen sich Physiker aus aller Welt neue Einblicke in die Struktur der Materie und die Evolution des Universums – dank der neuen Beschleunigeranlage am Standort des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Nach ihrer Fertigstellung, die für das Jahr 2018 anvisiert ist, liefert sie Antiprotonen- und Ionenstrahlen mit bisher unerreichter Intensität und Qualität. Im Endausbau besteht FAIR aus acht Kreisbeschleunigern mit bis zu 1100 Metern Umfang, zwei Linearbeschleunigern und rund 3,5 Kilometern Strahlführungsrohren, wobei bereits existierende GSI-Beschleuniger als Vorbeschleuniger dienen. Das neue Beschleunigerzentrum ermöglicht im Vollbetrieb rund 3000 Forschern aus dem In- und Ausland eine nie dagewesene Vielfalt an Experimenten.

Neue Forschungsdimensionen

So wird zum Beispiel die Starke Kraft, die fundamentale Wechselwirkung, die die Atomkerne zusammenhält, unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten untersucht werden können. Auch auf die Frage, wie nach dem Urknall die Bestandteile der Materie entstanden sind, wird es womöglich bald neue Antworten geben. Darüber hinaus wird die Erzeugung und Untersuchung sehr seltener instabiler Atomkerne das Verständnis von der Entwicklung des Universums und der Entstehung der schweren Elemente entscheidend voranbringen. „FAIR ist ein exzellentes Beispiel für eine gelungene internationale Zusammenarbeit im Bereich der Grundlagenforschung. Das Projekt macht den Standort Deutschland für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt noch attraktiver.“, betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan zum Projektstart der Beschleunigeranlage FAIR im November 2007 (siehe BMBF-Pressemitteilung). Schon jetzt bringen Tausende von Wissenschaftler aus aller Welt ihre Erfahrungen in das gigantische Forschungsvorhaben ein.

Workshop zur Beteiligung Brasiliens

Die brasilianische Physiker-Gemeinde – die größte in Südamerika – gewinnt international rasch an Bedeutung. Sie in ein internationales Großforschungsprojekt in Deutschland wie FAIR einzubinden, wird daher sehr positiv gesehen. Auf dem Workshop an der Universität Sao Paulo, der im Rahmen des Deutsch-Brasilianischen Wissenschaftsjahres stattfand, stellten Vertreter des FAIR Joint Core Teams und des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung zunächst einmal der brasilianischen Physiker-Elite den aktuellen Stand des FAIR-Projektes vor und erläuterten die vier Säulen des wissenschaftlichen Forschungsprogramms (APPA, CBM NuSTAR und PANDA). Nach der Präsentation der brasilianischen Aktivitäten in FAIR verwandten Bereichen erarbeiteten die Forscher die Beteiligungsmöglichkeiten brasilianischer Wissenschaftler den jeweiligen Forschungsprogrammen. „Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Workshops. Wir haben alle notwendigen, vorbereitenden Schritte zur brasilianischen Teilnahme an FAIR organisiert, sowohl für den Bau als auch für die wissenschaftlichen Experimente. Auch einen Fahrplan für die Teilnahme der Föderativen Republik Brasilien in der Gesellschaft mit dem Namen - FAIR GmbH haben wir gemeinsam vorbereitet“, betont Prof. Dr. Zbigniew Majka, Head of Research FAIR Joint Core Team.

Kontakt zum GSI

Prof. Dr. Zbigniew Majka
ufmajka@cyf-kr.edu.pl

Weitere Informationen:
http://www.gsi.de/fair/index.html

FAIR

FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research)

Eine Forschungsanlage in dieser Dimension lässt sich nur in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern umsetzen. Im Frühjahr 2003 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung entschieden, das neue Beschleunigerzentrum zusammen mit internationalen Partnern zu bauen. Die Kosten für die Errichtung der neuen Anlage, die auf der existierenden aufbaut, betragen rund 1,2 Milliarden Euro. Das BMBF geht davon aus, dass mindestens 25 % der Baukosten von internationalen Partnern getragen werden. Vom Land Hessen werden 10 % übernommen. Insgesamt wollen fünfzehn Länder gemeinsam die Anlage FAIR an der GSI in Darmstadt realisieren: China, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indien, Italien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Slowenien und Spanien.

Quelle